Modernes Wissensmanagement

In unserer scheinbar immer schnelleren Wissensgesellschaft wird die Aufnahme von Information, Lernen und das Umsetzen von Wissen immer wichtiger. Zu diesem Thema lese ich manchmal Beiträge über die Personal Knowledge Mastery (PKM)-Konzepte von Harold Jarche. In diesem Blogpost möchte ich kurz auf Wissensmanagement generell und als Beispiel auf das PKM-Konzept eingehen.

Wieso Wissensmanagement?

Wissensmanagement bezeichnet die positive Beeinflussung der Wissensbasis einer Person oder einer Organisation. Im Fall einer Person spricht man auch vom „persönlichen Wissensmanagement“, im zweiten Fall vom „organisatorischen Wissensmanagement“.

Wissen soll nicht in Karteikästchen verschwinden

Wissen ist zunehmend ein wichtiger Produktionsfaktor. Das organisatorische Wissensmanagement kümmert sich deshalb darum, das individuelle Wissen, das in einer Firma, Behörde, Verwaltung oder Verein bei den einzelnen Personen vorhanden ist, nachhaltig in der Organisation zu verankern. Dabei wird oft zwischen explizitem und implizitem Wissen unterschieden – die unterschiedlich angegangen werden müssen:

  • Explizites Wissen ist niedergeschrieben bzw. kann niedergeschrieben werden, beispielsweise in Handbüchern oder Handlungsanweisungen. Hier muss Wissensmanagement geeignete Prozesse und Verantwortlichkeiten definieren und Gefässe finden für das Festhalten von Wissen (people-to-document), um so zum Beispiel Gatekeeping (dass eine Information nur bei einer Person vorhanden ist und diese bei Bedarf stets danach gefragt werden muss) möglichst zu minimieren.
  • Implizites Wissen ist Wissen, das nicht (richtig) verbal vermittelt werden kann (auch: tacit knowledge, also stilles Wissen). Gute Beispiele sind das Wissen, wie man velofährt oder wie man Schuhe schnürt. Die Methoden für explizites Wissen können bei implizitem Wissen nicht greifen. Hier geht es stattdessen häufig darum, die richtigen Massnahmen zu finden, um zwischenmenschliche Lernprozesse zu fördern (people-to-people).

Grundlegender Baustein: Persönliches Wissensmanagement

Das persönliche Wissensmanagement steht unterhalb der systemischen Sicht der Organisation. Es ist aber natürlich notwendige Voraussetzung für gelungenes organisatorisches Wissensmanagement. Besonders klar wird dies gerade anhand des bereits erwähnten PKM-Konzepts von Harold Jarche. Er definiert PKM als „a set of processes (…) to help each of us make sense of our world and work more effectively.“

Ein wichtiger Baustein dieses Konzepts ist das Framework Seek > Sense > Share:

Seeking is finding things out and keeping up to date. Building a network of colleagues is helpful in this regard. It not only allows us to “pull” information, but also have it “pushed” to us by trusted sources. Good curators are valued members of knowledge networks.

Sensing is how we personalize information and use it. Sensing includes reflection and putting into practice what we have learned. Often it requires experimentation, as we learn best by doing.

Sharing includes exchanging resources, ideas, and experiences with our networks as well as collaborating with our colleagues.

Betrachten wir persönliches Wissensmanagement durch diese Brille, ist es keine rein individuelle Aufgabe: Für Seeking benötigen wir gute soziale Netzwerke (reale und virtuelle) – also Netzwerke, die beim Lernen für Aufgaben unterstützen. Aus einem gut kuratierten Netzwerk kann eine Person wertvolle Informationen selber extrahieren (Pull-Prinzip) aber auch erhalten, etwa wenn ein Partner im Netzwerk die Person auf etwas aufmerksam macht, das für diese relevant ist (Push-Prinzip). Gutes persönliches Wissensmanagement braucht also gute soziale Vernetzung.

Sensing umfasst die Verinnerlichung, Reflexion und Anwendung von neu erschlossenem Wissen. Dieser Prozess benötigt Zeit, Freiräume und Gelegenheiten, das Wissen anzuwenden. Auch Sensing kann neben der individuellen Ebene eine soziale Dimension haben: Reflexion und Beüben neu erworbenen Wissens können zum Beispiel im Team geschehen.

Sharing bezeichnet die Weitergabe und den Austausch von Ressourcen rund um Wissen und bildet den Abschluss des Frameworks. Auch beim Sharing ist die Einbettung des Wissensmanagements und des Lernens in soziale Strukturen wieder wichtig. Hier wird Wissen im Austausch mit anderen gefestigt, und man lernt neue Sichtweisen, Ideen und Ressourcen kennen.

Hin zur intelligenten Organisation

Gemäss Harold Jarche sind die Schritte Seeking, Sensing und Sharing besonders in innovativen interdisziplinären Settings (wie zum Beispiel EBP eines ist) besonders wichtig:

The multiple pieces of information that we capture and share can increase the frequency of serendipitous connections, especially across organizations and disciplines where real innovation happens.

Aus diesen Betrachtungen lassen sich zum Beispiel entlang der folgenden Fragen Handlungsempfehlungen für intelligente Organisationen oder solche, die es werden wollen, erarbeiten (hier mit einem technischen Fokus):

  • Wie kann eine Organisation das organisatorische und das persönliche Wissensmanagement gewinnbringend miteinander verknüpfen? Wie kann eine Organisation das persönliche Wissensmanagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern und so die Grundvoraussetzungen für ein effizientes und effektives Organisations-Wissensmanagement legen?
  • Welche Tools gibt es, die beim organisatorischen und persönlichen Wissensmanagement (z.B. mit dem Modell Seeking, Sensing, Sharing) unterstützen können? Wäre zum Beispiel Slack für meine Organisation gut geeignet? Weshalb nicht bzw. weshalb? Für welche Anwendungen, Informationen und Rollen in der Organisation?
  • Wie setze ich diese Tools passend zum jeweiligen Wissen und Kontext ein? Welches Wissen kann ich Zeitschriften, Fachtagungen oder Expertengesprächen entnehmen? Welche anderen Kanäle sind für meine Organisation, meine Aufgabe, mein Fachgebiet relevant?
  • Welches Wissen und welche Erfahrungen teile ich beispielsweise in einem Enterprise Social Network wie Yammer? Worüber schreibe ich einen Artikel in der internen Zeitschrift oder im internen Wiki? Was teile ich mit einer Fachgruppe auf LinkedIn, Xing oder einem anderen virtuellen sozialen Netzwerk? Worüber spreche ich mit Kolleginnen und Kollegen im Rahmen eines Erfahrungsaustauschs?

Allesamt spannende Fragen, die sich in unserer Zeit alle Organisation stellen sollten. Falls Sie sich für diese Themen interessieren, unterstützen wir Sie gerne.

Ralph Straumann

Ralph Straumann

Ralph Straumann (Dr. sc. nat.) hat an der Universität Zürich Geographie mit Vertiefung in GIS, Wirtschaftsgeographie und Politologie studiert.

Seit 2010 arbeitet er im Tätigkeitsfeld Systemberatung + Analytik von EBP Informatik als Senior Consultant.

Er berät Kunden bei strategischen Fragen, zu Geschäftsprozessen und Organisation sowie bezüglich Quellen, Modellierung, Workflows und Analyse mit verschiedenartigen Daten im Schnittbereich zwischen IT/GIS und Anwendungsfeldern wie Verkehr und Raumplanung.

Mail: ralph.straumann@ebp.ch

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