GeoSEO – Findet man Ihre Geodaten mit Google?

Wir betreiben diesen Blog mittlerweile seit drei Jahren. Mehr oder weniger regelmässig veröffentlichen wir hier einige unserer Ideen und Analysen, die ausserhalb unseres eigentlichen Tagesgeschäfts sind. Unter Anderem haben wir im Jahr 2010 „auf die Schnelle“ einen Blogpost über Geländeprofile geschrieben und eine dazu passende statische Webapplikation veröffentlicht. Heute ist unser Traffic auf durchschnittlich 200 bis 400 Pageviews pro Tag angestiegen.

geo-seo

Aber wie kommen die Leute auf geo.ebp.ch? Ganz einfach: 80%-90% entdecken uns über die Internetsuche nach einem „Höhenprofil“ oder „Geländeprofil“. So etwas nennt man wohl zufällige Suchmaschinenoptimierung oder „accidental search engine optimization (SEO)“.

Mit dieser Beobachtung und dem Artikel von Brian Timoney haben wir uns die Frage gestellt: Wieviele Internetnutzende kommen über Google (et al) direkt zu einer Karte der Schweizer Geoportale, die auch ihrem Suchbegriff entspricht? Wenn ich beispielsweise nach „Antennenstandorte in Meilen“ suche (oder nur nach „Antennenstandorte“, da ich gerade in Meilen bin), erhalte ich nicht sofort einen entsprechenden Kartenausschnitt. Erst nach einigen Klicks und weiteren Suchbegriffen bekomme ich die gewünschte Information und Darstellung auf der Karte.

Das Problem ist, dass Google und andere Suchmaschinen die Objekte in einer interaktiven Webkarte nicht indizieren. Aber unser Anfangsbeispiel zeigt, dass Google potenziell sehr viele Besucher vermitteln kann. Daher lautet die Frage: Wie können wir die Auffindbarkeit von Informationen in Geoportalen verbessern?

Die Antwort ist vergleichsweise einfach und benötigt weder eine neue JavaScript Bibliothek noch andere moderne Webtechnologien oder Zaubereien: Man baut eine einfache statische Website mit dedizierten Seiten für jedes Datenthema und für jeden Ort, also beispielsweise eine Seite für die Antennenstandorte in Meilen.

Das kann in der Praxis wie folgt aussehen:

  • Aufbau einer hierarchischen inhaltlichen Struktur bestehend aus Kategorie, Datenthema und danach die räumliche Einheit (wie zum Beispiel die Gemeinde): Es gibt eine Startseite mit der Liste der Kategorien, jeweils eine Kategorienseite mit den dazugehörigen Datenthemen. Wenn man möchte, kann man gemäss den INSPIRE Themen noch weitere Unterkategorien einflechten. Schliesslich gibt es für jede Gemeinde eine eigene Webseite mit den Informationen.
  • Analog zur Inhaltsstruktur wird eine passende URL-Struktur gebaut, die für Menschen lesbar und für Suchmaschinen interpretierbar ist. Für unser Suchbeispiel könnte die URL wie folgt aussehen:
    http: //example.com/infrastruktur/antennenstandorte/meilen
    

    Und Bonuspunkte gibt es, wenn die Website eine intelligente 404-Fehlerseite besitzt, um Tippfehler oder ähnliche Begriffe in der URL aufzufangen.

  • Die themenspezifische und auf eine Gemeinde beschränkte Webseite enthält einen statische Kartenausschnitt der Gemeinde mit einem Link auf die interaktive Webkarte. Dazu werden einige Statistiken zur Gemeinde und zu Datenthemen präsentiert, wie zum Beispiel die Anzahl der Standorte pro Einwohner oder der Vergleich mit anderen Gemeinden in der Schweiz.
  • Zusätzlich erhält jede Gemeinde eine eigene Webseite, in der alle oben beschriebenen themenspezifischen Seiten gelistet und mit weiteren Links ergänzt werden, beispielsweise zum Gemeindeportal oder dem Wikipedia-Artikel der Gemeinde.
  • Die einzelnen Webseiten werden gezielt verbreitet, um Backlinks zu bekommen. Zum Beispiel können die Gemeinden gebeten werden, in ihren eigenen Portalen auf die oben beschriebene Gemeindeseite zu verlinken.
  • Schliesslich baut man eine saubere Sitemap, informiert die Medien und startet gegebenenfalls eine gezielte AdWords Kampagne, um den notwendigen initialen Traffic zu erzeugen. Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten der Optimierung für Suchmaschinen.

Die beschriebenen Massnahmen lassen sich unabhängig von der Technik des Geoportals aufbauen, man benötigt für eine effiziente Generierung „nur“ einen Zugang zu den Originaldaten.

Bestehen Risiken bei diesem Ansatz? Ja, zum Beispiel können die Daten so beliebt werden, dass sie automatisch abgegriffen („gescraped“) werden. Ob das wirklich ein Problem ist, ist aber eine andere Frage. Das Copyright der Daten wird dabei nicht geändert, nur die Verfügbarkeit.
Es kann natürlich auch sein, dass die generierten Seiten nicht den gewünschten Anklang finden und bei den Suchresultaten nicht sofort erscheinen. Es bedarf dann eines iterativen Prozesses, die Präsentation zu optimieren. Vorrausetzung ist natürlich, dass auch genügend Internetnutzende die gewünschten Begriffe auch suchen.

Haben Sie Geodaten, die sie der Öffentlichkeit besser zugänglich machen wollen? Schreiben Sie uns doch eine E-Mail und wir helfen Ihnen, Ihre Geodaten für Suchmaschinen auffindbar zu machen. Über weitere Hinweise und Kommentare freuen wir uns natürlich auch.

Stephan Heuel

Stephan Heuel

Stephan Heuel (Dr.-Ing.) hat an der Universität Bonn Informatik studiert und in Geomatik promoviert. Er leitet das Tätigkeitsfeld Systemberatung + Analytik im Geschäftsbereich Informatik bei EBP.

Stephan Heuel verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung in der Organisationsberatung und bei der Konzeption, Erfassung und Veredelung von räumlichen und zeitlichen Daten. Er konzipiert und entwickelt datenbasierte Berechnungsprozesse, Analysen und Webapplikationen.

Dabenen unterstützt er die öffentliche Verwaltung bei der digitalen Transformation. Weiter leitet er auch IT-Projekte und ist verantwortlich für cloudbasierte Datendienstleistungen von EBP wie beispielsweise Walkalytics.

Mail: stephan.heuel@ebp.ch

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