Webkarten kosten Geld – jetzt auch bei Google. Ein Preisvergleich. (Update)

(Updates siehe unten)

Im Frühling dieses Jahres haben  wir über unsere ersten Erfahrungen mit der Swisstopo API für Webkartendienste berichtet . Seitdem hat sich die API weiter entwickelt: Unter anderem sind einige neue Datenebenen hinzugekommen und eine adressgenaue Suche ist jetzt ebenfalls möglich. Auch  ein mobiler Webclient  auf Basis von HTML5 ist jetzt offiziell verfügbar. Damit hat sich für die Schweiz eine durchaus interessante Alternative zu  Google Maps  entwickelt, dem de-facto Standard für Webkarten für Konsumentinnen und Konsumenten.


Womit wir bei der grossen Konkurrentin und Mutter aller modernen Webkarten wären: Google Maps bietet seit längerem einen mobilen Webclient an (siehe  unseren Artikel aus dem Jahr 2010 ). Der Kartendienst wurde 2005 eingeführt und hat sich schnell als einer der Vorzeigedienste des Internetunternehmens entwickelt und die traditionelle GIS-Welt gehörig unter Druck gesetzt. Mittlerweile sind diverse Zusatzdienste wie Livetraffic oder Höhendaten verfügbar, Google Earth wird integriert, mit Fusion Tables kombiniert und neue Darstellungstechniken getestet. Seit 2005 bietet Google seinen Dienst zur Einbindung in eigenen Websites kostenlos an (Es gibt eine sogenannte “Premier” Lizenz für Unternehmen, die unter anderem ein Service Level Agreement (SLA) bietet und auch für nicht-öffentliche Websites geeignet ist).

Das Gratisangebot von Google ist seit Oktober jedoch eingeschränkt: Das Unternehmen hat Ende Oktober offiziell verkündet, was sich schon bei der letzten Entwicklerkonferenz “Google I/O” angedeutet hat:  Für populäre Websites kostet die Nutzung der Google Maps Kartendienste Geld : ab 25’000 Kartenabfragen pro Tag muss eine Gebühr zwischen 4 und 10 US$ pro zusätzliche 1’000 Kartenabfragen an Google entrichtet werden.

Es stellt sich die Frage, für wen die Einschränkungen des Gratisangebots relevant sind. Nach  Googles Aussagen sind 0.35% der Websites betroffen . Im Vergleich zum Gratisangebot von Swisstopo und anderen Anbietern sind die Limite in der Tat weiterhin sehr grosszügig: Den circa 10-50 Besuchern, die pro Tag kostenfrei von der Swisstopo API versorgt werden können , stehen 25’000 Besucher, die weiterhin bei Google Maps gebührenfrei Karten serviert bekommen (Annahme: 1 Besucher = 1 Session). Auch die oben genannte kostenpflichtige Option für wirklich populäre Websites ist moderat. Auf jeden Fall ist es aus Gründen der Transparenz zu begrüssen, dass Google jetzt Preise für ihre öffentliche Webkarten API angibt.

Wir haben die neue Preispolitik von Google zum Anlass genommen, die Kosten der Webkartendienste genauer anzuschauen. Es gibt dabei mehr Alternativen, als man denkt: Bing Maps, OpenStreetMap, search.ch, um nur einige zu nennen. Für Swisstopo , Google Maps und Geofabrik (Anbieter für OSM Webkartendienste mit SLA) haben wir die Preise verglichen und in einem Diagramm dargestellt (Für Bing Maps haben wir auf Anfrage bisher keine Preisangaben erhalten, das kostenfreie Angebot erlaubt circa 340 Benutzersessions pro Tag. Die Website  search.ch macht auf ihrer Website keine Angaben):

Wir gehen dabei von einigen Annahmen aus (Dollarkurs = 1.15 CHF, Anzahl Kacheln pro Benutzersession = 50, eine Google Kartenabfrage enspricht einer Benutzersession).

Man sieht, dass sowohl Swisstopo als auch Geofabrik schon für vergleichsweise wenig Sessions pro Tag eine Gebühr verlangen. Dabei kann man jedoch schon für ca. 2’000 CHF pro Jahr bei Geofabrik über 6’000 Sessions pro Tag anbieten.  Doch in diesen Bereichen ist Google Maps immer noch kostenlos.  Zur Erinnerung: Das kostenfreie Angebot von Bing Maps erlaubt circa 340 Benutzersessions pro Tag.

Es gibt neben dem Preis pro Kachel sicherlich viele andere Gründe, einen bestimmten Kartenservice zu wählen: Qualität der API, Qualität der Daten und Kartendarstellung, Anpassbarkeit des Karteninhalts oder Nachhaltigkeit des Services. Die Tatsache, dass Google Maps weiterhin konkurrenzlos günstig ist, hat sicher einen Grund: Google verdient sein Geld mit Werbung und dazu speichert es das Verhalten seiner Internetnutzer. Oder noch etwas pointierter: “[...] the advertisers are the users and you are the product”  (Zitat  Dan Norman). Die Betreiber einer Website mit Google Maps müssen sich bewusst sein, dass sie Google dadurch bezahlen, dass sie das Verhalten der Website-Nutzerinnen und Nutzer zu Werbezwecken übermitteln.

Update 8.11.2011: Präzisierungen bei den Preisangaben und Annahmen.

Update 29.11.2011: Google hat in einem Blogartikel seine Preispolitik und dessen Umsetzung erläutert. Im Kontext unseres Preisvergleichs ist es wichtig zu erwähnen, dass nicht nur die durchschnittliche Anzahl Besucher pro Tag, sondern auch die eventuell zu erwartenden Ausschläge nach oben zu beachten sind: Beispielsweise kann eine Website durch Verlinkung in Facebook oder Twitter schnell eine 15-Minuten Berühmtheit erlangen und die oben genannten täglichen Limite überschreiten. Google hat klar gestellt, dass die Limite nur nach 90 Tagen konstanter Überschreitung in Kraft treten. Damit sind aus unserer Sicht alle privat betriebenen Websites und die allermeisten kommerziellen Websites von den Limiten nicht betroffen.

Dieser Beitrag steht unter einer Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz (CC-BY-NC-SA).

Print Friendly
facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail

You may also like...

8 Responses

  1. avatar René L'Eplattenier sagt:

    Besten Dank für diesen Artikel. Sehr interessant!

  2. Mit Google lässt sich auch verhandeln. Betreiber mit relevanten Besucherzahlen empfehle ich, mit Google einen spezifische Flatrate auszuhandeln. Das erspart unerwartet hohe Rechnungen und lange Gesichter.

  3. Für weitere Anbieter von OSM-Daten kann man die Wikiseite von OSM besuchen: http://wiki.openstreetmap.org/wiki/List_of_Companies_offering_OSM_Consulting. Beispielsweise bietet Mapquest jetzt an, die OSM-Daten kostenfrei als Kacheln zu beziehen (wahrscheinlich jedoch ohne SLA). Der Blogeintrag auf http://devblog.mapquest.com/2011/11/17/no-preset-limit-on-free-map-api-transactions/ zeigt, dass dies eine direkte Reaktion auf Googles neuer Preispolitik ist.

    (Danke an Matthias Meisser für den Hinweis).

  4. Vielen Dank für den Artikel.

    OnYourMap offeriert sicher eine Alternative zu Google mapping API –> http://maps.onyourmap.com/js3/examples/listing

    Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Flexibilität, Kundenanpassungen und Geschwindigkeit der Diensten haben sicher ihren Preis, aber dort bleiben wir sicher konkurrenzfähig mit Google und OSM!

  5. avatar Berliner sagt:

    Vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung.

    Verstehe ich das richtig, dass es hier aber nur um das Kartenmaterial, bzw. die Darstellung oder Abfrage geht?
    Ein Routing oder die Miete für eine Routing Engine wird hier nicht berücksichtigt?

  6. Danke für den Kommentar! Einen Routingservice haben wir in der Tat nicht berücksichtigt, bei der Zusammenstellung der Kosten ging es allein um den Webservice zur Darstellung des Kartenmaterials. Ein Vergleich von Routingangeboten wäre sicherlich reizvoll. Mal schauen, ob wir dafür einmal Zeit finden.

  7. “Das kostenfreie Angebot von Bing Maps erlaubt circa 340 Benutzersessions pro Tag.” Ist mittlerweise auf eine totale Abfrage heruntergegangen, oder? Habe mal was von 150.000 gehört.

  8. @Webdesign Soest: Wenn ich der in Artikel verlinkten Seite glauben kann, sind es immer noch ca 340 Benutzersessions pro Tag oder halt 125’000 für ein Jahr, siehe http://www.microsoft.com/maps/product/licensing.aspx

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>